Die Frage nach dem Sinn. - Volume 1

Zugegebenermaßen lässt die Überschrift den ein oder anderen jetzt womöglich besonders aufhorchen, aber ich muss diejenigen, die hierbei auf einen alles beantwortenden Beitrag hoffen leider gleich enttäuschen:

Hier und heute geht es NICHT um den Sinn des Lebens!

Vielmehr geht es heute um ein in Mode gekommenes -sagen wir- Werkzeug. Ja, liebe Leser, es geht um den Sinn eines Gartengerätes.

 

Wie sicher in fast allen Teilen Deutschlands färben sich auch vor meiner Tür derzeit die Blätter an den Bäumen und fallen, der Jahreszeit entsprechend zu Boden. Soweit ist das nichts Neues, wäre da nicht die neuartige Herangehensweise die am Boden liegenden Blätter von ihrem Platz zu entfernen.

Der aufmerksame Leser hat bereits erkannt, dass es mir um die so genannten Laubsauger geht. Seit einigen Jahren vermehren sich diese „neuen“ Gartengeräte in rasantem Tempo. Schaut man sich um, so könnte man den Eindruck bekommen, kein Hausmeister, oder neu-deutsch Facility-Service kommt mehr ohne dieses Gerät aus. Mir stellt sich also die Frage:

Was kann ein Laubsauger, was vorher nicht auch ohne ihn möglich war?

 

Die Zeitschrift test der Stiftung Warentest äußerte sich bereits im November 2001 in dem Bericht „Wohin mit dem Laub?“ dazu, wie folgt:

 

[…]

„In der Ruhe liegt die Kraft. Laubsauger sind teuer und laut. Viel schneller als mit Harke oder besser Fächerbesen läuft es damit auch nicht. Umstritten sind die Laubsauger zudem, weil auch Kleintiere angesaugt und getötet werden können. Wenn schon Laubsauger, dann im Pustebetrieb.“

[…]

 Quelle: test 11/2001

 

Der Pustebetrieb soll es also richten (Merke: Ein Laubsauger kann auch pusten). Genau dort möchte ich ansetzen! Erst heute morgen wurde ich fast von meinem Rad gepustet, als ein Facility-Service-Manager auf dem Gehweg vor seinem Objekt für Ordnung sorgte. Als wäre es nicht schlimm genug, dass eventuell Kleintiere mitten aus dem Leben gesaugt werden, nein, jetzt rennen auch noch Menschen mit einem dröhnenden Gartengerät umher und versuchen herabgefallene Blätter an einem Ort zusammenzupusten – maschinell, versteht sich. Wie bereits vor neun Jahren festgestellt wurde, geht das auch nicht schneller als von Hand mit Besen oder Rächen. Hinzu kommt der Lärm, der für alle Unbeteiligten in der Umgebung unumgänglich zu sein scheint.

 

Wenn also ein Laubsauger/-puster

a)     nicht schneller funktioniert als ein Besen

b)     Kleintiere verschlingt und

c)      einen Höllenlärm produziert,

welche Daseinsberechtigung hat er dann?

 

Die Sinnfrage des Laubsaugers ist daher in meinen Augen mehr als berechtigt! - Er hat keinen!

 

In diesem Sinne schließe ich mit dem Gedicht „Herbst“ von Christian Morgenstern:

 

Zu Golde ward die Welt;

zu lange traf

der Sonne süßer Strahl

das Blatt, den Zweig.

Nun neig

dich, Welt, hinab

 

Bald sinkt's von droben dir

in flockigen Geweben

verschleiernd zu -

und bringt dir Ruh,

o Welt,

o dir, zu Gold geliebtes Leben,

Ruh.

19.10.10 18:40

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